Schon seit Juli lädt die Bundeswehr auch 18-Jährige, die angegeben haben, kein Interesse an der Bundeswehr zu haben, zur Musterung ein. Bis jetzt sollen es über 1.000 Personen sein, wie das Bundesministerium für Verteidigung selbst berichtet. Dies geschieht in einem bis dato erfolglosen Klima der freiwilligen Musterung.
Noch im August letzten Jahres betonte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, er setze beim neuen Wehrdienst auf Freiwilligkeit. Kein Jahr später antwortet die Bundeswehr auf die weiterhin geringen positiven Rückmeldungen mit zwangsweisen Musterungen. Die Rückmeldungen fallen durchschnittlich so negativ aus, dass das Verteidigungsministerium nicht länger genaue Zahlen zu den Antworten herausgibt. Im Juni gaben deutlich über die Hälfte der Befragten auf einer Skala von 0-10 5 Punkte oder weniger an Interesse an, aktuelle Zahlen werden nicht länger veröffentlicht.
Gesetzlich beruht die Musterung auf § 17 WPflG, welcher aufgrund der Änderung der Anwendbarkeit in § 2 WPflG seit dem 01.01.2026 wieder in Kraft ist. Die gesetzlich vorgegebene Angabe des Interesses an der Leistung des Kriegsdienstes in der Bereitschaftserklärung, § 15a WPflG, soll eigentlich bei der Musterung berücksichtigt werden, § 17 WPflG. Die Wehrersatzbehörden wenden diese Bestimmung anscheinend recht liberal an um die personelle Aufrüstung der Bundeswehr möglich zu machen.
Jugendliche gegen den Neuen Wehrdienst
Währenddessen laufen die Vorbereitungen auf den nächsten Streiktag am 25.09. im Aktionsbündnis »Schulstreik gegen Wehrpflicht«. Mehrere Jugendorganisationen beteiligen sich an diesen Schulstreiks, so auch die Linksjugend [’solid], Jugendorganisation der Linkspartei.
Bundessprecherin Selina Pfister erklärt hierzu: »Die Jugend lässt sich nicht kleinkriegen. Während Sozialleistungen gekürzt und öffentliche Mittel knapp gehalten werden, sollen junge Menschen sich auf Zwangsmusterungen und militärische Pflichten einstellen. Wir sagen: Unsere Zukunft darf nicht auf Kosten unserer sozialen Sicherheit und unserer Freiheit gestaltet werden.«
Bereits im Mai streikten tausende Schüler*innen gegen die faktische Wiedereinführung der Wehrpflicht, im März waren es bundesweit über 50.000. Dass die Bundesregierung nach eigenen Angaben weiterhin auf Freiwilligkeit setzt, scheint spätestens jetzt nicht mehr wahr zu sein.
